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Warum jeder Handwerker auch Designer sein kann – und jeder Handwerker ein Designer

Bei einem Digitalprodukt verkörpern gut gestaltete Screens oder Elemente die Individualität und die Marke des jeweiligen Produkts. Sie führen den User wortlos zu seinem gewünschten Resultat. Sie weckt auch auf raffinierte Weise eine emotionale Resonanz, wie z. B. „Ich bin eine ernsthafte, zuverlässige, aber dennoch ansprechende Trading-App“ oder „Ich bin eine Sprachlern-App, aber ich mache auch Spaß“.

Ein gut durchdachtes Produkt kann sich von seinen Mitbewerbern abheben. Während ein anderes Produkt den Nutzern hilft, „Dinge zu erledigen“, hilft deines „Dinge zu erledigen, und das macht mir aus irgendeinem Grund Spaß.

Warum und wie Designer funktionsübergreifende Partner für eine gute visuelle Ästhetik sensibilisieren und dazu beitragen können, dass Handwerkskunst eine Teamleistung ist…

Die scheinbare Magie von Künstlern& Designern

Wenn Designer visuelles Handwerk betreiben, nutzen sie die Bausteine des Handwerks – das visuelle Material. Raum, Form (Gestalt, Bild, Typografie) und Farbe. Diese setzen sie auf kreative und clevere Weise zusammen, indem sie Gestaltprinzipien (Ähnlichkeit, Fortsetzung, Abschluss, Nähe, Figur-Grund und Symmetrie), Hierarchie der Informationen (basierend auf dem beabsichtigten Zweck des Bildschirms) und visuelle Hygiene (pixelgenaue Ausrichtung) anwenden. Das ist natürlich eine Vereinfachung des Prozesses.

Designer verfügen über Fachwissen in diesem Prozess und sind natürlich die richtigen Leute, um (unter anderem) die visuelle Kunstfertigkeit sicherzustellen. Aber sie sollten nicht die Einzigen sein, die sich daran halten. Ich habe oft gesehen, wie eilig erstellte Präsentationsdecks und interne Entwürfe von ihren Kollegen aus anderen Abteilungen mit der Bitte an die Designer weitergegeben wurden, ihren Designer-Zauber hinzuzufügen.

Das ist zwar fast immer als Kompliment gemeint, aber damit wird die Verantwortung für die visuelle Gestaltung eines Produkts ganz beiläufig auf die Designer abgewälzt.

Das Wissen um gute visuelle Designpraktiken hilft dem funktionsübergreifenden Team auch bei seiner täglichen Arbeit.

(K)Ein Team braucht (k)eine Expertise

Die Designer im Team sind dank ihrer jahrelangen Ausbildung, Praxis, Iteration und Analyse anderer gut gestalteter Produkte Experten in Sachen visuelle Kunstfertigkeit. Aber sie sind keine Torwächter. Wenn sie funktionsübergreifend lernen, wie gutes und schlechtes Handwerk aussieht, ist das Team in einer besseren Position, um gute Produkte zu entwickeln. Die Teams fühlen sich auch stärker in die Verantwortung genommen und arbeiten schneller an den komplexeren Problemen mit.

Viele UI-Fehler werden nie zu den Akten gelegt, weil sie bereits behoben sind. Engineering- und PM-Decks werden sauberer und aussagekräftiger, und Erfahrungsberichte über Produkte werden bewusster erstellt.

6 Tipps, wie Designer mehr Handwerkskunst in das Endprodukt bringen können

ERSTENS – Beantworte so viele Fragen, wie du kannst, bevor sie gestellt werden:
Betrachte das erste Meeting als eine Übung zum Geschichtenerzählen. Erkläre proaktiv den Kontext des Nutzers, den Geschäftsbedarf und die Gründe für deinen Lösungsansatz. Auf diese Weise baust du die Geschichte in den Köpfen deiner Zuhörer/innen zu einem scheinbar natürlichen Schluss auf – deiner endgültigen Lösung.

Ein Trick, um alle auf die gleiche Wellenlänge zu bringen, ist es, die Aufgaben, die du lösen willst, gleich zu Beginn vorzustellen.

Das ist ein großartiges Hilfsmittel, um sich in einen bestimmten Nutzer hineinzuversetzen, der sich in einer bestimmten Situation befindet und ein bestimmtes Ergebnis erzielen möchte. Viele Fragen in den Köpfen der Zuhörerinnen und Zuhörer lösen sich in Luft auf, noch bevor du anfängst.

ZWEITENS – Entscheidungen verteidigen:
Als Schöpfer der Designlösung hast du den Kontext erfasst, die Nuancen verstanden und die Optionen mit der gebotenen Sorgfalt durchgespielt, bevor du die vorgeschlagene Lösung endgültig festgelegt hast. Wahrscheinlich hast du auch eine Reihe von Besprechungen mit anderen Designern und Mentoren durchgeführt. Wenn du deinen Entwurf an das Produktteam übergibst, ist es nur natürlich, dass du ungeduldig wirst, wenn du gefragt wirst: „Warum diese Farbe?“ oder wenn ein Kollege fünf Minuten lang eine Idee vorstellt, die du bereits ausprobiert und aus gutem Grund verworfen hast.

Mein Rat ist, geduldig zu sein und die Antworten zu wiederholen. Vermeide Fachjargon, formuliere das Offensichtliche und nenne Beispiele, bei denen dein Ansatz funktioniert hat. Sei auch offen für Änderungen, wenn sie sinnvoll sind, und sprich über ihren Wert.

Auch wenn dies hart erscheint, hilft es, das Vertrauen des Teams in deinen Prozess zu stärken. Fragen und Diskussionen bedeuten auch, dass das Team wirklich in die Entwicklung eines Produkts investiert, an das es glaubt. Eines Tages wirst du vielleicht erleben, wie dein Ingenieur oder PM einem wichtigen Stakeholder oder einer Führungskraft leidenschaftlich und korrekt die Gründe für eine Designentscheidung erklärt. Das ist es absolut wert.

DRITTENS – Sag deinen Teammitgliedern, dass du ihrem Blick vertraust:
Finde subtile Wege, um das Vertrauen deines Teams in sein handwerkliches Können zu stärken. Ich sage meinen Ingenieuren zum Beispiel, dass ich die Benutzeroberfläche erst dann überprüfe, wenn sie sicher sind, dass sie alle offensichtlichen visuellen Fehler im Build gefunden und behoben haben. So werden sie auf visuelle Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht und sind mitverantwortlich für die visuelle Qualität des Produkts. Kurz vor der Veröffentlichung schlage ich vor, dass du dich mit deinem Techniker zusammensetzt, um Styling-Bugs zu finden und zu beheben. Das Schlüsselelement ist, dass ihr beide laut darüber sprecht, was ihr seht und denkt. Während du etwas über die technischen Einschränkungen lernst und sie immer besser lösen kannst, wird dein Techniker besser in der Lage sein, visuelle Unstimmigkeiten zu erkennen und sie in Zukunft selbst zu beheben.

VIERTENS – Ermutige zu konstruktiven Gesprächen über Design:
Bei den Diskussionen während des Mittagessens kann auch das Design eine Rolle spielen, wenn es nicht schon der Fall ist. Du könntest das neue Design der App-Symbole eines Konkurrenten erwähnen und fragen, was alle davon halten. Indem du zuhörst, ohne zu urteilen, schaffst du einen sicheren Raum, in dem sie ihre Meinung sagen können. Du kannst ihnen auch helfen, sich eine Meinung zu bilden, indem du sie fragst, warum sie sich für eine bestimmte Farbe oder Form entschieden haben. Biete ihnen mögliche Gründe an, wenn sie nicht weiterkommen – „Ist es, weil der Kontrast zu gering ist?“

FÜNFTENS – Erwarte nicht, dass sich alles sofort ändert:
Indem du die Feinheiten des Designs auch für Nicht-Designer zugänglich machst, erleichterst du die Zusammenarbeit, stärkst die Produktverantwortung und hilfst allen, Designpraktiken zu schätzen und zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Wie bei allen kulturellen Veränderungen gilt auch hier: Lass dich nicht von der Funkstille unterkriegen. Jemand hört auf jeden Fall mit.

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